Hallo,

der Digitalfunk wird kommen - egal wieviele dagegen sind. Für mich als noch relativ uninformierten User sind allerdings folgende Punkte unklar und auch bedenklich.

Der analoge BOS-Funk ging von der Philosophie aus, das alle Geräte / Fachdienste untereinander kompatibel sind und somit grundsätzlich jeder mit jedem funken konnte. Dies wurde nach der Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen in den 70er Jahren durch die generelle Einführung von Vielkanalgeräten durchgesetzt.

Aufgrund meiner ehrenamtlichen Mitarbeit im Sanitätsdienst habe ich viele Einsätze auch außerhalb unseres "Kirchturms" mitgemacht und es war mit unseren Funkgeräten problemlos, am entsprchenden Einsatzort dann die erforderlichen Kanäle zu schalten. Als Einsätze seien hier nur mal z.B. Weltjugendtag Köln, Deutscher Katholikentag, Kanrnevalseinsätze im Rheinland, Love-Parade Berlin genannt.

Aber auch bei nicht planbaren Lagen wie ICE-Unglück Eschede oder dem Elbehochwasser hat sich diese Praktik bewährt.

Aufgrund der im Digitalfunk einzurichtenden Gruppen erscheint mir diese Flexibilität so nicht mehr gegeben. Ich kann nicht mehr einfach mir ein Funkgerät nehmen und den Kanal schalten. Ist die Gruppe xy auch auf dem Gerät drauf? Ne - mußt du dir erst durch die Netzadministration geben lassen. Und das gilt meines Wissens nach auch für den Direct-Mode, da dort auch die Gruppe genutzt wird. Und wie bilde ich eine Gruppe für den Direct-Mode, wenn ich mal keine ausreichende Netzabdeckung habe? Wie einfach oder kompliziert ist im Einsatzfall die Bildung von Gruppen und das Aufnehmen neuer Geräte in die Gruppe? Wie lange dauert soetwas bei Notfall-Lagen?

Hierin sehe ich das größte Problem und mangels ausreichender Kenntnisse der Digitaltechnik bin ich wegen der mir bekannten problemlosen Funktionalität der analogen Technik (noch) ein Skeptiker der neuen Digitaltechnik.

Der zweite Kritikpunkt aus meiner Sicht ist das Netz. Wie werden die einzelnen Basisstationen untereinander vernetzt? Aufgrund der theoretisch relativ hohen Datenübertragungsrate erscheint eine Drahtanbindung notwendig und eine totale Bundesweite Vernetzung aller Stationen erforderlich. Ich arbeite hauptberuflich im EDV-Bereich und wir haben für unsere etwa 40 Außenstellen ein nicht gerade kleines Netz bei der Telekom angemietet. Diese garantiert zwar 99% Verfügbarkeit, die wir auch problemlos haben. Trotzdem kommen immer wieder kurzfristige Ausfälle im Minuten bis Stundenbereich vor. Solche Ausfälle im Digitalfunk wären natürlich fatal. Sicherlich habe ich jetzt auch teilweise Störungen im Analogfunk, die mir einen Kanal unbrauchbar machen (Tastenklemmer / irrtümlich Relais geschaltet). Aber in so einem Fall kann ich halt dann einen Kanalwechsel vornahmen. Aber wenn mir durch Netzausfall im Digitalfunk Basisstationen ausfallen, gibt es keine Möglichkeit des Kanalwechsels. Die Unabhängigkeit des analogen Systems von anderen Einrichtungen geht im Digitalfunk verloren.

Wie war das beim Elbehochwasser in Dresden? Sind da nicht auch verschiedene Basisstationen für Das Handy-Netz "abgesoffen" und damit ausgefallen? Oder die Horrornachrichten, das durch ein Softwareupdate ganze Handynetze ausfallen? Wenn so etwas im Digital-Funk passiert, bekomme ich Bauchschmerzen.

Ich hoffe, das meine derzeitigen Bedenken nur auf mangelnder Systemkenntnis beruhen und die zukünftige Praxis diese widerlegen wird.

Beste Grüße

Klaus