Bundesanstalt für digitalen Behördenfunk: flächendeckendes BOS-Netz bis 2010

Noch vor wenigen Wochen aufgekeimte Befürchtungen, der Start eines bundesweiten Digitalfunknetzes für die BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) verzögere sich noch weiter bis 2013, hält Rolf Krost, der kommissarische Leiter der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS), für unbegründet: "Wir haben eine mit allen Seiten abgestimmte, belastbare Planung, die den Abschluss des grundlegenden Netzausbaus bis 31. Dezember 2010 sicherstellt", bekräftigt Krost in einem ausführlichen Interview mit der Zeitschrift Net.

Darin wird zugleich deutlich, dass die Spekulationen um eine Verzögerung des Netzstarts bis 2013 nicht aus der Luft gegriffen waren; Krost zeigt sich rückblickend überrascht, welche "Wogen eine Indiskretion aus einem internen Arbeitspapier" ausgelöst hat. Dieses Papier habe aber lediglich dazu gedient, zu erkennen, wo der Zeitplan für den Netzaufbau verdichtet und Parallelarbeiten ausgeführt werden müssen, um das "anspruchsvolle Ziel 2010" erreichen zu können.

Zu den Stolpersteinen zählt die Beschaffung geeigneter Sendestandorte – dem BDBOS-Chef zufolge "der Klassiker unter den Risikofaktoren für ein Funknetz schlechthin". Doch könnten viele Standorte für das heutige analoge Netz für den Tetra-Funk übernommen werden, die zugleich den Anforderungen der BOS genügen, was den Schutz vor Sabotage oder Witterungseinflüssen sowie an die Notstromversorgung genügen. Die Verträge mit dem für der Netzaufbau als Generalunternehmen verantwortlichen EADS erlaubten es, deutlich mehr als 100 Basisstationen je Monat abrufen zu können. Um das Risiko von Versorgungslücken vorzubeugen, die eine virtuelle Netzplanung birgt, setzt zum Beispiel Nordrhein-Westfalen auf eine aufwendige "heuristische" Methode in der Feinplanung des Netzes.

Dennoch dürfte der Versorgungsgrad und Leistungsmerkmal des digitalen BOS-Funks vor allem in der Startphase des Netzes von Land zu Land sehr unterschiedlich ausfallen: Bayern strebt dem BDBOS-Chef zufolge eine landesweite Versorgung für Handfunkgeräte an – eine Voraussetzung, um die Alarmierung ("Paging") zum Beispiel von freiwilligen Feuerwehrleuten in deren Wohnungen über Tetra sicherzustellen, wie vom Freistaat beabsichtigt. NRW verlässt sich hingegen bei der Alarmierung auf den POCSAG-Standard, der auch zahlreichen kommerzielle Paging-Diensten zugrundeliegt.

Ein weiterer Faktor, der das für die Errichtung der Netzinfrastruktur und die ersten 15 Jahre Netzbetrieb veranschlagte Budget von 4,5 Milliarden Euro in die Höhe schrauben könnte, ist die Frage der Inhouse-Versorung zum Beispiel größerer Einkaufszentren, die womöglich teure Repeater oder Schlitzkabel erfordert.

Bis Mitte 2008 will die BDBOS ihre die geplante Sollstärke von 140 Mitarbeitern erreichen, zur Jahreswende sollen es 70 bis 80 sein. Behördenleiter Krost zufolge stehen hochqualifizierte Bewerber Schlange, dabei profitiere die öffentliche Hand vom Stellenabbau bei privaten Mobilfunkunternehmen.

Während in den laufenden Referenzplattformen wie in NRW die Kompatiblität von Tetra-Endgeräten unterschiedlicher Hersteller bereits gestestet wird, sollen bis Oktober die Spezifikationen für die Endgeräte festgelegt werden. Den anbietenden Herstellern räumt die BDBOS die Möglichkeit ein, die Zertifizierung nach erteilter Bestellung vorzunehmen, was unterlegenen Bietern die Kosten für ein Zertifizierung erspart. Für Mitte Dezember erwartet BDBOS-Chef Krost den Start eins Teilnehmerwettbewerbs für die "Durchführung" des Netzbetriebes, der Sieger soll ab 2009 im Auftrag der Behörde tätig werden.

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/95582