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Thema: Gesetz für Hilfsfrist

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  1. #1
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    Gesetz für Hilfsfrist

    Hallo zusammen,

    ich bin derzeit auf der Suche, nach dem Gesetz wo geregelt wird ab wann ein Einsatz ein Einsatz mit Einhaltung der Hilfsfrist ist oder wann nicht.
    Eine Ölspur zum Beispiel kann ja nicht auf ein Level mit dem klassischen Wohnungsbrand im ersten OG mit einer vermissten Person gesetzt werden.

    Gibt es da irgendwo schriftliche Hinweise zu? Ich habe bereits im FSHG für NRW geschaut, jedoch nichts gefunden.
    Ist das evt. sogar eine Bundesangelegenheit?

    grüße
    Mr_C

  2. #2
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    Sowas gibt es in NRW für die Feuerwehr nicht, das Schutzziel inkl. Erreichungsgrad wird örtlich im Brandschutzbedarfsplan festgelegt.

  3. #3
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    Zitat Zitat von nederrijner Beitrag anzeigen
    Sowas gibt es in NRW für die Feuerwehr nicht, das Schutzziel inkl. Erreichungsgrad wird örtlich im Brandschutzbedarfsplan festgelegt.
    Gibt es denn sowas irgendwo schriftlich? :)

  4. #4
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    Das steht - schriftlich - im örtlichen Brandschutzbedarfsplan, den mittlerweile hoffentlich jede Kommune in NRW hat.

    Zitat Zitat von FSHG NRW §1
    (1) Die Gemeinden unterhalten den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehren, um Schadenfeuer zu bekämpfen sowie bei Unglücksfällen und bei solchen öffentlichen Notständen Hilfe zu leisten, die durch Naturereignisse, Explosionen oder ähnliche Vorkommnisse verursacht werden.
    Die Konkretisierung hat eben im BBP zu erfolgen und da können sich die einzelnen Kommunen durchaus unterscheiden und zum Beispiel auch festlegen, für welche Einsätze das Schutzziel gelten soll und welche Einsätze zur Statistik für die Auswertung herangezogen werden.

    Zitat Zitat von FSHG NRW §22
    (1) Die Gemeinden haben unter Beteiligung ihrer Feuerwehr Brandschutzbedarfspläne und Pläne für den Einsatz der öffentlichen Feuerwehr aufzustellen und fortzuschreiben. (...)
    Solche Brandschutzbedarfspläne sollten sich mit Google finden lassen.

  5. #5
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    Ich bin auch im Internet fündig geworden, dass Idf hat eine PDF zur Erstellung des Brandschutzbedarfsplans online.

    Dort steht beschrieben, dass der Wehrführer den Plan schreibt und dadurch auch fest stellt, welche Einsätze mit Hilfsfrist und welche ohne gefahren werden.

    Die Hilfsfrist ist jedoch ziemlich Hart! Demnach sieht der Zeitraster bei solchen Einsatzen wie folgt aus:
    0-3,5min: Brandausbreitung
    3,5-5min: Notruf/Alarmierung
    5-8min: Eintreffen der ersten 8 Funktionen
    8-13min: Eintreffen der nächsten 16 Funktionen

    Diese Zeiten hat die Arbeitsgemeinschaft Berufsfeuerwehr (AGBF) festgelegt und laut Vorgabe sollte die Erreichbarkeit bei 95% liegen.
    Jedoch finde ich, dass dann eigentlich fast jede Stadt eine hauptamtliche oder berufsfeuerwehr Wache benötigt. Denn der Rat wird ja dadurch schon fast gezwungen Personal einzustellen denn eine Freiwillige Feuerwehr kann ja eigentlich nicht sicherstellen zu jeder Zeit immer schnell vor Ort zu sein.

  6. #6
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    Daher heißts ja auch "im Regelfall" - ein 100% "wir sind da" kanns nur geben, wenn wir jedem ne Löschgruppe ins Wohnzimmer stellen :)

    Wenns aufgrund der Flächenausbreitung der Stadt, der Verkehrslage oder einfach nur "nicht mein Ding" der Ehrenamtlichen - dann muss man eben Konsequenzen wie zweite Wache bauen, Hauptamtliche einstellen oder eben Pflichtfeuerwehr ziehen, je nach Budget und konkreter Lage

  7. #7
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    Zunächst mal verfasst in der Regel nicht der Wehrleiter den Brandschutzbedarfsplan, das haben die Gemeinden unter Beteiligung der Feuerwehr zu machen. Üblicherweise kommt die Vorlage von der Verwaltung, die sie zusammen mit der Feuerwehr erarbeitet hat, und wird dann vom Rat als politische Entscheidung verabschiedet - die Politik hat schließlich auch zu vertreten, welches Sicherheitsniveau geboten wird und bezahlt wird.

    Die Schutzzieldefinition der AGBF (Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren, also primär für Bereiche städtischer Bebauung) ist zum einen inhaltlich nicht unumstritten, zum anderen muss man diese wie gesagt nicht 1:1 übernehmen und das steht auch so in dem von Dir genannten PDF am IdF, welches auch andere Beispiele für eine Schutzzieldefinition nennt. Die Schutzzieldefinition der AGBF ist eine im Allgemeinen anerkannte Empfehlung, die aber auf bestimmten Voraussetzungen beruht.

    Wenn man zum Beispiel weiß, dass 30 Prozent der Bewohner außerhalb der geschlossenen Bebauung wohnen und die Einhaltung einer x-minütigen Hilfsfrist in diesen Außerortsbereichen dazu führen würde, dass man allein aufgrund der Fahrzeiten anstatt drei Standorten auf einmal zehn bräuchte, dann ist es nicht sinnvoll, einen Erreichungsgrad
    von 95% festzulegen. Dann nimmt man halt einen Erreichungsgrad von 70% oder 80%.

    Ebenso muss man bedenken, dass die AGBF von städtischer Bebauung ausgeht, also von mehrgeschossigen Mehrparteienhäusern und von einem Brand im Obergeschoss mit verrauchten Rettungswegen. Wenn ich im Ort fast ausschließlich anderthalbgeschossige Einfamilienhausbebauung mit üblicherweise vier Bewohnern habe, kann es legitim sein, nach acht Minuten zunächst nur mit einer Staffel (4 AGT und Steckleiter) anstatt mit zehn Funktionen an der Einsatzstelle zu sein.

    Desweiteren kann man auch verschiedene Schutzziele für verschiedene Szenarien aufstellen. In unserem Gebiet macht es zum Beispiel keinen Sinn, acht Minuten für die erste Einheit bei Verkehrsunfällen auf der Autobahn anzusetzen, wenn die Anfahrt bis zur nächsten Abfahrt aufgrund einer Strecke von 13 km nur auf der Autobahn schon länger dauert. Darauf hat die Feuerwehr auch keinen Einfluss. Also mache ich für das Szenario "Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen auf der Autobahn" ein anderes Schutzziel als für den Zimmerbrand.

    Was die Auswertung angeht, muss man darauf achten, vergleichbare Einsätze auszuwerten. Auch wenn ich eine Notfalltüröffnung als "zeitkritischen" Einsatz ansehe, muss ich mir bewusst sein, dass das meinen Erreichungsgrad massiv herunterziehen kann, wenn ich für diese Einsatzart nur eine Kleinalarmschleife mit 18 Personen alarmiere (weil ich sechs Mann in entsprechender Zeit haben möchte). Wenn ich nur 18 Personen alarmiere, kann ich nach 13 Minuten schlecht 16 Funktionen vor Ort habe. Also berücksichtige ich diese Einsätze nicht in der Auswertung für den zeitkritischen Wohnungsbrand.

    Das ist eben alles nicht so einfach, als dass man es mal eben in zwei Sätzen in einem Gesetz abhandeln könnte. Deswegen ist es eine politische Entscheidung, was die einzelne Kommune Ihren Bürgern an Sicherheit bietet und wie sie es bezahlen kann und will. Ich bin der festen Überzeugung, dass in fast allen Ländern mit fixen Schutzzielen, vor allem wenn man das AGBF-Schutzziel 1:1 übernimmt, der tatsächliche Erreichungsgrad sehr schlecht aussehen würde. Die ergibt sich alleine schon aufgrund der Fahrtzeiten in ländlichen Gebieten. Allerdings packt das Thema keiner an, weil es ein heißes Eisen ist.

    Mit der selben Argumentation gibt es im Bauordnungsrecht übrigens auch keine Vorgabe, wann das Rettungsgerät der Feuerwehr, welches den zweiten Rettungsgweg aus einem Gebäude sicherstellen soll, vor Ort sein muss.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Mr_C Beitrag anzeigen
    Eine Ölspur zum Beispiel kann ja nicht auf ein Level mit dem klassischen Wohnungsbrand im ersten OG mit einer vermissten Person gesetzt werden.
    Die Hilfsfristen gelten für Notfälle bzw. für Notfalleinsätze. Wenn eine Ölspur als Notfall gefahren wird (also mit Sondersignal), muss sie hilfsfristenmäßig genau wie jede andere Einsatzart auch gehandhabt werden.

    Die Hilfsfristen müssten in den einzelnen Feuerwehrlandesgesetzen drin stehen. Zumindest beim Rettungsdienst ist dies entsprechend so.

    Gruß, Mr. Blaulicht

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